27.5.06

Chronik der Familie Jorns / Jordens 1794 - 1905 (2/2)

Johann Jakob Jorns (1756-1813) war der Sohn von Heinrich Christian Jorns und Anna Magdalena Peter. Er wurde in Waldau bei Kassel geboren und heiratete 1788 Anna Gertrude Barchfeld, Tochter des Zeug- und Raschmachermeisters Valentin Barchfeld, in Oberkaufungen bei Kassel. Bis 1795 war er Kupferhammerschmiedemeister auf dem kurfürstlichen Messinghof in Bettenhausen. Er kaufte am 1.1.1796, 3 Jahre nach dem Tod seines Vaters, den bereits 200 Jahre bestehenden Kupferhammer vor Osterode für 2300 Thaler Louisdor von dem vorherigen Besitzer Kupferschmiedemeister Felber. Gegründet wurde die Anlage von Eisenfactor Hinrich Heckenberg (gest. 1670).

Johann Jacob Jorns arbeitet nun auf eigene Rechnung und es gelingt ihm in kurzer Zeit in der aufblühenden Industriestadt Osterode Fuß zu fassen. Während Anfang des Jahrhunderts die französischen Truppen den Oberharzer Bergbau zweimal annektieren, werden auf dem Kupferhammer 2-, 3- und 5-Centimes-Kupfermünzen geprägt. Osterode gehörte zum Harzdepartement des Königreichs Westphalen, das Napoleon 1807 für seinen Bruder Hieronymus ins Leben rief.

Johann Jacob Jorns stirbt 1813 in Osterode am Harz im Alter von 57 Jahren, seine Frau erst 1832 mit 63 Jahren. Sie hatten 7 Kinder: Heinrich Christian, Anna Margarethe, Johanne Christiane, Anna Martha, Johann Friedrich, Heinrich Jakob und Johanne Amalie Jorns.

Johann Friedrich Jorns (1796-1855), zweiter Sohn von Johann Jacob Jorns wird im Gründungsjahr der Firma Jorns in Osterode am Harz geboren. Auch er ist wieder Kupferhammermeister und später auch Eigentümer der Firma Jorns. 1828 heiratet er Auguste Amalie Greve (1806-1880), die Tochter von Johann Ludolf Greve, einem Wollfabrikanten aus Osterode.

Johann Friedrich Jorns hat mit Auguste Amalie Greve sieben Kinder: Gustav "Adolf", "Gustav" Wilhelm Burghard, Emma, Friedrich "Fritz" Albert Emil, Elise Wilhelmine, Emil "Albert" und Julie Auguste Jorns.

Johann Friedrich Jorns pflegt nicht nur nachbarliche und verwandtschaftliche Kontakte zu Osteroder Patriziern, sondern schafft Verbindungen nach Nordamerika, Skandinavien und England, indem er bis in seine letzten Jahre den beruflichen Weg seiner 3 Söhne in diesen Ländern fördert.

Während noch 1845 der Kupferhammer als "altes Etablissement in schwunghaftem Betriebe" geschildert wird, spiegelt eine Briefsammlung aus den fünfziger Jahren den Existenzkampf gegen staatliche Konkurrenz, Zollpolitik, Konjunkturschwankungen, mangelnde Wasserdarbietung, Vereisung der Wasserräder und Reparaturen am Hammerwerk. Gleichzeitig beraten die in der Fremde tätigen Söhne den Vater bis ins Detail bei der Umstellung des Schmelzbetriebes von Holz- auf Steinkohle und bei der Errichtung eines Kupferblechwalzwerkes, das aber erst nach des Vaters Tode 1859 errichtet wird.

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Die Söhne Johann Friedrich Jorns', Gustav "Adolf" Jorns (1830-1901) und Friedrich "Fritz" Albert Emil Jorns (1837-1910) führten zeitweise gemeinschaftlich das Geschäft bis 1872, nachdem sie die Firma unter der von ihrem Vater bereits 1827 gewählten Bezeichnung Fr. Jorns 1865 in das Handelsregister eintragen ließen. In diese Zeit fallen die Lehr- und Wanderjahre von Fritz Jorns. Nachdem sich die Wege dieser beiden sehr gegensätzlichen Persönlichkeiten trennten, erwirbt Fritz "die Petershütte", vormals Papierfabrik der Andraes und Tuchfabrik der Greves, um dort 2 Hammerstraßen anzulegen. Adolf gründet in Hannover ein eigenes Kupferwerk.

Den Auftrag für die Kupferbekleidung des Hermannsdenkmals führten beide Firmen gemeinsam aus. Bis in die Neuzeit lieferte dann die Firma Jorns in Osterode Dachkupfer für folgende bekannte Gebäude: Die Zellerfelder Kirche, den Dresdener Zwinger, das Brandenburger Tor, die Essener Kongresshalle, die Papierfabrik Herzberg und den Osteroder Marktkirchturm. Fritz Jorns wird als erfolgreicher Fabrikant Bürgervorsteher 1889, Mitglied des Abgeordnetenhauses 1893-1897 und vertritt als MItglied des Reichstages 1893-98 und 1900-1908 die im Wahlkreis 11 Hannover zusammenfefassten Kreise Osterode, Norheim und Einbeck. Von seinen 5 Töchtern heiratet Albertine Sophie "Elisabeth" "Else" Jorns (1873-1969) den selbständigen Kaufmann Walter Wilhelm August Ottomar Schröder, der die Firma 1905 käuflch erwirbt.

Die Geduld und Opferbereitschaft der jeweiligen Jorns-Frauen trugen wesentlich zur Beständigkeit der Firma bei. Sowohl Auguste Amalie Jorns (geb. Greve 1806-1880) als auch Albertine Sophie "Elisabeth" "Else" Schroeder (geb. Jorns 1873-1969) standen dem Geschäft in Kriegs- und Notzeiten allein vor. Auch das Gelingen der neben dem Beruflichen politisch engagierten Unternehmer hing zutiefst von der Anerkennung der Mutter der Familie ab, wie von ihrer persönlichen Mitarbeit im Familienbetrieb.




Hier ein paar Bilder:
Kupferhammer aus Sicht des Rotemühlenweges 1803:


Kupferhammer 1871:


Kupferhammer 1890 in zwei aneinandergereihten Bildern in einer Luftaufnahme. Das kuriose ist, dass der damalige Chef Friedrich Albert Emil Jorns (=Fritz Jorns 1837-1910)(Reichstagsmitglied) gleich zweimal auf dem Foto zu sehen ist:



Kupferhammer 1896 aus Sicht der Seesener Straße mit Park im Vordergrund und Ürder Berg im Hintergrund:


Kupferhammer um 1960 in einer Luftaufnahme:


Der Kupferhammer wurde während der Krebserkrankung von Helmut Schröder (gest. 1982) als Firma liquidiert und ist damals in das Eigentum der Familie Herrmann übergegangen, die Gesellschafter der Liquidierungsgesellschaft waren. Der Vater von Helmut Schröder, der vormalige Eigentümer Wolfgang Schroeder, starb 6 Jahre nach seinem Sohn (1988) auf dem Kupferhammer.
Aufgrund der Initiative von Helmut Schröder steht der Kupferhammer seit ca. 1980 unter Denkmalschutz.

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